“Digitale Medien (…) verändern Wissenschaftskulturen und ihre unterschiedlichen Praktiken” (Schneider 2006, S.2). Einer dieser Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens dessen Wandel, besonders kontrovers diskutiert wird, ist das Konzept der Autorschaft. Nicht nur die literarische, sondern auch die wissenschaftliche Autorschaft scheint vielen Beobachtern in einer tiefen Krise. (Schneider 2006, S.1) Deutlich wird dies unter anderem in der Emotionalität, mit welcher die Debatte um die Autorschaft, gerade was normative Idealvorstellungen angeht, geführt wird. Doch wie verändert sich eigentlich Autorschaft – insbesondere wissenschaftliche Autorschaft – vor dem Hintergrund sich verändernder Möglichkeiten und Bedingungen der Wissensproduktion? Worauf genau beruht die Beobachtung der Krise?

“Goolge digitalisiert Bücher, ohne deren Autoren zu fragen. Großfoschungseinrichtungen und zunehmend auch Universitäten drängen ihre Wissenschaftler, Publikationen möglichst schnell >>ins Netz<< zu Stellen, für jeden abrufbar. (…) Die Diskussion ist auf beschämende Weise ökonomisch ausgerichtet: Gefragt wird nach Kosten, Erträgen und >>Geschäftsmodellen<<. Im Hintergrund steht die Vorstellung von Wissenschaft als Ware. Der Autor als Subjekt hingegen kommt nicht vor. Sein Urheberrecht soll durch neue Verwertungsrechte kupiert werden – zugunsten einer kollektiven Vergütung im urheberrechtlichen buisness model. Offensichtlich fordert die >>Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen<< sogar den Gesetzgeber auf, das Urheberrecht wissenschaftlicher Autoren zu beschränken. Der vergemeinschaftende Fremdzugriff bedroht das Recht des Autors auf kommunikative Selbstbestimmung, er bedroht die individuelle Wissenschafts- und Publikationsfreiheit.”
(Reuß/Rieble 2009, S.7f. Hervorhebungen wie im Original)

Dieses Zitat von Reuß und Rieble verdeutlicht nicht nur sehr anschaulich das “Gefühl der Krise“, sondern spricht zugleich auch einige der zentralen Aspekte der kontroversen Debatten um die Autorschaft an. Jene Aspekte sind meiner Ansicht nach: Die Definition von Autorschaft, das Verständnis des Autors als souveränes Subjekt, der Begriff des geistigen Eigentums, der Bezug zum Urheberrecht  und die Konzeption von “Wissen/ Wissenschaft als Ware”.

Die folgende Reihe von Blogeinträgen, versteht sich als ein Versuch, über die nebeneinander Stellung verschiedener Perspektiven, einen Überblick über die Debatte zu geben.  Pro Eintrag soll dabei immer je ein spezifischer Zugang zu Kontext “Web”/”Web 2.0″/”Science 2.0” und “wissenschaftliche Autorschaft” vorgestellt und mit Fokus auf die, von mir  als zentral wahrgenommenen, Aspekte der Debatte diskutiert werden.

Literatur:

  • Reuß, Roland/ Rieble Volker, Vorwort, in: Dies. (Hgg.), Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit (= Symposium Frannkfurt, 15. Juli), Vittorio Klosterman, Frankfurt a. M. 2009, 7-8. Der Text ist online verfügbar: Link zum Text [Stand: 30.01.2012]
  • Schneider, Irmela, Konzepte von Autorschaft im Übergang von der ‘Gutenberg’- zur ‘Turing’-Galaxis, in: Zeitblicke 5 (3), 2006. Der Text ist online verfügbar unter: Link zum Text [Stand: 30.01.2012]