Alexander von Humboldt, 25.05.1800

Immer noch Regen. Regen ist gar kein Ausdruck, denn so etwas hat keiner von uns je zuvor erlebt. Es schüttet wie aus Weinschläuchen zum Erntedankfest. Wir sitzen seit Tagen in diesem Loch fest, von Moskitos geplagt, von Augen aus dem dichten Urwald beäugt und einmal wäre Bonplant um ein Haar auf eine kleine dunkle Schlange getreten, die bei den Eingeborenen auch als Portalpförtner an der Himmelstür bekannt ist. Dies würde zumindest dann gelten, wenn sie hier so etwas wie einen Himmel kennen würden.

Die Schwellungen in meinem Gesicht und der linken Hand sind allmählich wieder zurückgegangen. Immerhin: Jetzt kann ich wenigstens wieder zeichnen. Das ist auch bitter nötig, denn wir tragen inzwischen einen Sack voll mit Blättern, Blüten und kleineren Tieren mit uns herum, den wir nicht bis zur nächsten Küstenkolonie mittragen können. Die Träger haben uns zwar einen Karren mitsamt Zugtieren zur Verfügung gestellt, nachdem sie uns versichert haben, dass sie uns um diese Jahreszeit nicht am Flussufer entlang begleiten würden. Allerdings liegt er inzwischen unter einer Schlammlawine begraben, die uns vergangene Woche auf abschüssigem Gebiete überrascht hat. Gott allein weiß, ob wir hier je wieder heraus kommen.