Posts by

Gregor Lax

Auszug aus dem Tagebuch eines fiebrigen Austauschstudenten, 26.Februar 2009, Paris.

Von der Fabrikation des Herzen reden sie. Fahle Gesichter legen ihre Stirn in Falten, als sich ihre ewig gleichen Mienen auf das konzentrieren, was sie hören und sehen. Glasige Augen verfolgen meinen Weg, als ich – eine Viertelstunde zu spät – den Raum betrete.

Doch das Gesprochene fließt weiter. Als ob es keine Unterbrechung gegeben hätte. Gehetzt wenden sich die Blicke der Ausdruckslosen wieder dem Redner oder ihren Aufzeichnungen zu. Monoton peitschen die Worte durch den Raum, hallen von den Wänden wieder, verschwinden in Ohren, in Köpfen, um durch die kratzendenden Enden der Stifte in Form unscharfer Stichpunkten wieder auf Papier gebannt zu werden. Read on…

Die Tagebücher anderer Leute: Teil 1

Alexander von Humboldt, 25.05.1800

Immer noch Regen. Regen ist gar kein Ausdruck, denn so etwas hat keiner von uns je zuvor erlebt. Es schüttet wie aus Weinschläuchen zum Erntedankfest. Wir sitzen seit Tagen in diesem Loch fest, von Moskitos geplagt, von Augen aus dem dichten Urwald beäugt und einmal wäre Bonplant um ein Haar auf eine kleine dunkle Schlange getreten, die bei den Eingeborenen auch als Portalpförtner an der Himmelstür bekannt ist. Dies würde zumindest dann gelten, wenn sie hier so etwas wie einen Himmel kennen würden. Read on…

Die Tagebücher anderer Leute: Einleitung

Die Tagebücher anderer Leute: Einleitung

Über die Jahrhunderte verschmilzt zweifellos Erlebtes, Niedergeschriebenes, Repetiertes und Erdachtes. Der Umfang verschiedener Erzählungen und Beschreibungen, die sich mit demselben Gegenstand befassen, ist abhängig von der Gattung der Literatur, des Zeitraums der zwischen dem Beschriebenen und der Beschreibung liegt, der strukturellen Zwänge des jeweiligen Autors und schließlich der Willkür desselben. Historiker fassen einen vorhandenen Quellenkorpus beispielsweise gern kurz und bündig zusammen.

„Ende Mai des Jahres 1800 erreichte die Humboldt-Expedition die Gabelung des Orinoco.“ Read on…

What about Science?

“Du denkst also auch, Latours Theorie als wissenschaftliche Theorie, ist eine Frage des Glaubens?” fragte mich ein Kommilitone nach einer langen Sitzung niedergeschlagen. “Nein.” sagte ich. “Ich glaube, wissenschaftliche Theorie ist grundsätzlich immer auch eine Frage des Glaubens.” Dies ist übrigens keine Parodie auf Latours Vorwort der “Hoffnung der Pandora”. Dort fragt ein unruhiger Journalist den Autor etwas beängstigt: “Glauben sie an die Realität?” Latours entwaffnende Antwort: “Natürlich.”

What about science? Tja. Was gibt es über Wissenschaft zu sagen? Read on…

Recent Comments