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Identität

Identität: Einheit – Hybrid – Cyborg ? (Teil 5)

Resümée

Die von Hall beschriebene Fragmentierung des Subjekts, ausgelöst durch die allgegenwärtige Vernetzung und Vermischung der Gesellschaften, also kurz: die Globalisierung, erscheint als ein unaufhaltsam fortschreitender Prozess der Veränderung. Sowohl die empirischen Untersuchungen von Gillespie als auch die theoretischen Überlegungen von Haraway legen nahe, dass die von Stuart Hall erwähnten „Gegenprozesse“ und Widerstände nicht nur nicht in der Lage sind, diesen Prozess zu verlangsamen oder zu stoppen, sondern vielmehr selbst Teil des Prozesses sind. „Übersetzung“ ist allgegenwärtig und Identität ist notwendigerweise immer eine Konstruktion. Dies gilt – zumindest dann, wenn man das postmoderne Konzept des Subjekts ernst nimmt – sowohl für neue „hybride“, wie auch für altbewährte, geschlechtliche, ethnische, regionale und nationale Identitäten.

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Identität: Einheit – Hybrid – Cyborg ? (Teil 4)

Hybriden und Cyborgs

Auch wenn sich Hall vorrangig auf die Fragmentierung nationaler Identität bezieht, deutet er mit seiner These von der „Krise der Identität“ an, dass die Diskontinuität, Fragmentierung und Zerstreuung des Subjekts noch darüber hinausgeht.[1] Andere Autoren sind hier jedoch deutlicher. So etwa Donna Jeanne Haraway in ihrem „Manifest für Cyborgs“.[2] Vordergründig ähnlich wie Halls Hybriden sind auch Haraways „Cyborgs“ als Subjekte aus zusammengesetzten „Identitäts-Fragmenten“ zu begreifen. Anders als Hall konzentriert Sie sich aber weniger auf kollektive Identitätskonzepte wie National-kulturen, sondern hat vielmehr einzelne Subjekte im Blick.

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Identität: Einheit – Hybrid – Cyborg ? (Teil 3)

Migration in Southhall, oder das „Ringen“ um Identität.

Wie steht es nun um die Folgen und Auswirkungen der „Krise der Identität“? Hall macht einerseits seine These, dass die nationalen Kulturen von Selbstauflösung befallen sind sehr stark: Was ist noch typisch indische Küche, wenn man indisches Essen in jeder größeren europäischen Stadt bekommen kann? Und erleben moderne Gesellschaften nicht einen unaufhaltsamen Prozess der Homogenisierung, ausgelöst durch globale Unternehmen der Fast Food-, Bekleidungs- und Unterhaltungsindustrie?[1] Andererseits ist er, was die Reichweite der von ihm beschriebenen Fragmentierung und Auflösung nationaler Eigenheiten angeht, eher vorsichtig. So nennt er Einschränkungen und Gegentendenzen, die einer völligen Homogenisierung nationaler Kulturen entgegenstehen. Hall beruft sich hier auf Beobachtungen von Kevin Robins, der zeitgleich mit der fortschreitenden Homogenisierung auch eine zunehmende Rückbesinnung auf regionale Eigenheiten, sowie ein steigendes Interesse an „Fremdheit“ und „Andersartigkeit“ aufzeigt.[2] Hinzu kommt, dass die Geschwindigkeit der Homogenisierungsprozesse für verschiedene Regionen der Welt sehr unterschiedlich ausfällt und diese außerdem einer gewissen „Machtgeometrie“ unterworfen sind. Das zeigt sich z.B. darin, dass der Export „westlicher“ Waren, Vorstellungen und Lebensstile sehr viel schneller und umfassender vonstatten geht, als der Import fremder Kulturgüter in den „Westen“.[3]

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Identität: Einheit – Hybrid – Cyborg ? (Teil 2)

Wiedergabe der Kernpunkte aus Stuart Halls Argumentation

Wie schon im ersten Teil erwähnt, erscheint es sinnvoll, zum besseren Verständnis kurz die Kernargumente Stuart Halls These von der „Krise der Identität“ zu referieren. Im Folgenden wird daher auf die von Hall vorgestellten „drei Konzepte der Identität“ und auf die Nation als „vorgestellter Gemeinschaft“ eingegangen.

Die drei Konzepte der Identität

Nach Stuart Hall sind historisch vor allem drei unterschiedliche theoretische Vorstellungen von der menschlichen Identität zu benennen, die unser Denken über das Subjekt maßgeblich beeinflusst haben. Er bezeichnet und differenziert das „Subjekt der Aufklärung“, das „soziologischen Subjekt“ und das „postmodernen Subjekt“.[1] Wie Hall selbst richtig stellt, ist dies eine sehr holzschnittartige Betrachtung eines Wandels vom kohärenten, einheitlichen Subjekt, zum fragmenthaften, zusammengesetzten und hybriden. Die Beschränkung auf drei idealtypische Vorstellungen bildet eine sehr starke Vereinfachung. Dennoch erweist sich diese Reduktion als ein hilfreiches Mittel sich einen kurzen Überblick zu verschaffen und soll deshalb auch hier beibehalten werden. Grundlegend ist für Hall die These, dass sich die „Vorstellung vom Subjekt“ überhaupt verändert, also Geschichte hat und Identität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich erlebt, begriffen und erfasst werden kann.[2]

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Identität: Einheit – Hybrid – Cyborg ? (Teil 1)

„Alte Identitäten, die die soziale Welt lange stabilisiert haben, sind im Niedergang begriffen, machen neuen Identitäten Platz, das moderne Individuum als einheitliches Subjekt wird fragmentiert (…)“[1]

Mit diesen Worten beschreibt Stuart Hall in „Die Frage der kulturellen Identität“ einen umfassenden Wandlungsprozess, der in eine „Krise der Identität“ in den modernen Gesellschaften mündet. Ausgelöst durch den strukturellen Wandel des 20. Jahrhunderts, werden in der Moderne die bisherigen Bezugspunkte und kulturellen Landschaften der Identitäten, bestehend aus Klasse, Geschlecht, Sexualität, Ethnizität, Religion, “Rasse” und Nationalität, fragmentiert und transformiert.[2] Hall hat hier besonders die Nation als einen der vorrangigen kulturellen Bezugspunkte bürgerlicher Selbstvor- und Selbstdarstellung im Blick, welche durch die modernen Vernetzungs- und Verschmelzungsprozesse der Globalisierung in Bedrängnis geraten ist. Es findet eine doppelte Verschiebung der Selbstwahrnehmung statt, welche das moderne Individuum sowohl

„(…) in bezug (sic!) auf ihren Ort in der sozialen und kulturellen Welt als auch in bezug (sic!) auf sich selbst dezentriert.“ [3]

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